Medienecho auf Selbstmord Enkes und das Leid der Lokführer

Trotz einer inzwischen schon stattfindenden Abschwellung, berichteten die Medien in den letzten Tagen sehr offen über das Thema Suizid durch Bahnfahrzeuge. Das Tabu war in diesem Fall gebrochen und alle stürzten sich darauf. Die Angst vor Nachahmern war in diesem Fall zweitrangig, da es sich um einen Promi handelte und das ins allgemeine Interesse rückte. Auch der leidtragende Lokführer gelangte ins Interesse der Medien, hat sich aber meines Wissens abgeschottet. Verständlich, nach einem solchem Erlebnis. Also mussten andere betroffenen Lokführer “ausgekramt” werden. Welche, bei denen das traumatische Ereignis schon länger zurückliegt und ein berichten darüber für den Leser interessant, weil unfassbar, für den Lokführer aber erträglich und vielleicht sogar inzwischen befreiend wirken könnte. Auch ich hatte Anrufe von Medien, um in einer Talkshow meine Erfahrungen – meine persönlichsten – als Betroffener zum Besten zu geben.

Meiner Meinung nach zielt diese ganze Medienflut nicht auf das wahre Problem, sondern möchte mit der Fassungslosigkeit der Leser einfach nur mal schnell Kasse machen.  Um dem wahren Problem an dem Leid des Lokführers beizukommen, gibt es meines Wissens kaum Möglichkeiten. Der Schaden ist nach dem Aufprall da und geht nur unter sehr begrenzten Beihilfen wieder weg. Man kann dem Lokführer helfen, aber letztendlich muss er und seine Seele, diesen Schlag ausheilen und das kann er nur mit sich selbst ausmachen. Mir selbst wurden damals Gespräche mit einer dafür spezialisierten Psychologin angeboten die ich Anfangs auch wahrnahm. Ich war jedoch schnell überrascht über den geringen Tiefgang dieser Gespräche, bei denen es meist nur darum ging, wie ich schlafen würde und dass ich mir doch bitte eingestehen sollte, dass ich nicht Schuld sei. Letzten Endes kam das schale Gefühl auf, dass es dem Arbeitgeber nur darum ging, vorzeitige Rentenansprüche möglichst zu vermeiden. Aber dies kann auch nur von mir subjektiv so empfunden worden sein, in der Zeit “danach” war sowieso vieles wie auf den Kopf gestellt.

Es gibt aber in den Medien auch Ausnahmen und Artikel, die auch ich gerne lese, weil sich der Wahrheit ziemlich nah kommen. Allen voran ist mir da ein Artikel aus der NZZ aufgefallen.

Ohne jede Chance – Der Selbstmörder auf dem Bahngeleise, das Trauma eines jeden Lofkührers

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Auch in der Abendzeitung München ist ein ganz interessanter Artikel mit einem Interview es Lokführers der das Trauma vor einigen Jahren erlebte.

“Die Angst fährt mit”

Hier noch weitere Artikel:

Aus der Frankfurter Rundschau: Bahn befürchtet “Werther Effekt” – Trauma auf der Lok

Aus der Süddeutschen Zeitung: Suizid auf den Gleisen: Es passiert dreimal am Tag

Mainpost: Die Qualen der Lokführer – Suizide bereiten der Bahn große Probleme


Einfühlsamer Beitrag über Lokführer und Suizid

9f672d5bcfe2699f215e50621269Friedhelm Weidelich hat in seinem Railomotive Blog einen sehr lesenswerten Artikel über Lokführer und Suizid geschrieben. Dieses Thema ist sehr heikel und wird in der Öffentlichkeit meist unterdrückt. Jeder weiss, dass es für einen Triebfahrzeugführer der Horror ist, man schüttelt den Kopf, aufgrund der Fassungslosigkeit. Meist hat es sich damit dann auch schon und man geht wieder zum Tagesgeschäft über. Weidelich geht hier einen Schritt weiter und überlässt es nicht dem Leser sich über das Thema auszuschweigen. Er deutet auf die offenen Wunden, die meist ein Leben lang nicht heilen, mit denen der Lokführer einfach ab da an zu leben hat. Es wird Teil seines Lebens und er muss einen Weg finden, dieses Erlebnis für immer darin einzubetten. Beim Lesen könnte man meinen der Autor wäre selbst ein Lokführer, so gut gelingt es ihm, sich einzufühlen.

Ich empfehle jedem Besucher meiner Seite diesen Artikel zu lesen. Vielen Dank an Friedhelm Weidelich!

Hier nochmal der Link zu dem Beitrag.

BÜ Unfall und Suizid in einer Schicht

bahnhofMünster – Rein statistisch gesehen hätte der Lokführer am Donnerstagabend eigentlich nichts mehr zu befürchten gehabt. Statistik hilft, das hat der 40-Jährige leidvoll erfahren, dem Einzelnen nichts. Ohne Schuld geriet der Mann während seines Dienstes im Nahverkehrszug zwischen Coesfeld und Münster binnen weniger Stunden gleich zweimal in schreckliche Ereignisse.

Um 16.45 Uhr war, wie berichtet, sein Zug auf einem unbeschrankten Bahnübergang an der Welsingheide von einem Auto gerammt worden – mit glimpflichen Ausgang. Keine Verletzten, nennenswerter Sachschaden nur am Auto. Nach einer Dreiviertelstunde steuerte der Triebfahrzeugführer seinen Zug zum münsterischen Hauptbahnhof. weiterlesen »

Bericht im Hamburger Abendblatt über Lokführer, die Suizid verarbeiten müssen

Am 19. März erschien im Hamburger Abendblatt ein beeindruckender Artikel über den Umgang mit Selbstmördern von betroffenen Lokführern. Der Artikel trägt die Überschrift “Ich konnte es nicht verhindern”, was eigentlich schon eine Menge aussagt. Berichtet wird über einen Kollegen, der wie so viele andere am eigenen Leib erfahren musste, was es bedeutet bei dem Tod eines Menschen direkt betroffen zu sein.

Ich selbst habe diesen Albtraum auch schon einmal erleben müssen. Man verliert für einige Wochen das Vertrauen in das System Rad / Schiene. Auf den ersten Fahren danach hatte ich kein Gefühl der Sicherheit mehr, es war wie ein Höllenritt. Erst langsam, nach und nach, stellt sich das Vertrauen wieder ein. Ich zitiere hier diesen Artikel mal vollständig, da er wirklich sehr gut geschrieben ist. Vielen Dank an die Autorin Bettina Mittelacher! weiterlesen »