BÜ Unfall und Suizid in einer Schicht

bahnhofMünster – Rein statistisch gesehen hätte der Lokführer am Donnerstagabend eigentlich nichts mehr zu befürchten gehabt. Statistik hilft, das hat der 40-Jährige leidvoll erfahren, dem Einzelnen nichts. Ohne Schuld geriet der Mann während seines Dienstes im Nahverkehrszug zwischen Coesfeld und Münster binnen weniger Stunden gleich zweimal in schreckliche Ereignisse.

Um 16.45 Uhr war, wie berichtet, sein Zug auf einem unbeschrankten Bahnübergang an der Welsingheide von einem Auto gerammt worden – mit glimpflichen Ausgang. Keine Verletzten, nennenswerter Sachschaden nur am Auto. Nach einer Dreiviertelstunde steuerte der Triebfahrzeugführer seinen Zug zum münsterischen Hauptbahnhof.

Auf dem Rückweg nach Coesfeld, ganz in der Nähe der Unfallstelle vom Nachmittag, geschah das schlimmere Unglück – eines, das Lokführer häufig fürchten müssen, wie Gerd Felser, Sprecher der Deutschen Bahn in Düsseldorf, hinzufügt. Ein Mensch hatte sich in Selbstmord-Absicht auf die Gleise gelegt, der 40-Jährige konnte in der Dunkelheit nicht rechtzeitig bremsen. Der Mann erlitt tödliche Verletzungen.

Rund 1000 Mal pro Jahr, etwa drei Mal jeden Tag, nehmen sich in Deutschland Menschen auf diese Weise das Leben – „für die Lokführer eine traumatische Erfahrung“, weiß Felser. Manche kämen ohne einen solchen Fall durch ihr ganzes Lokführer-Leben, andere treffe es wiederholt. Viele der Betroffenen halten die Belastung nicht aus, benötigen therapeutische Unterstützung. Das Risiko, auf einem Bahnübergang mit einem anderen Fahrzeug zusammenzustoßen ist deutlich geringer. 2008 zählte die Bahn in NRW 37 Unfälle dieser Art.

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