Bahn halbiert Gewinn

Trotz der weltweiten Konjunkturerholung hat sich die Lage bei der Deutschen Bahn im Sommer kaum gebessert.

Der Betriebsgewinn des Konzerns schrumpfte zwischen Januar und August auf 950 Millionen Euro und halbierte sich damit im Vergleich zum Vorjahr fast, wie Unterlagen des Unternehmens zeigen, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlagen. Der Umsatz fiel um 14,5 Prozent auf 19 Milliarden Euro und lag damit weiter deutlich unter den Planungen der Bahn. Immerhin sackten die Umsätze nicht noch weiter als zu Sommeranfang ab, als die Krise die Bahn voll erfasst hatte. In den letzten vier Monaten des Jahres erwartet das Unternehmen auch wegen des Sparkurses mehr Gewinn und will 2009 so den geplanten Betriebsgewinn von 1,8 Milliarden Euro einfahren. 2008 waren es noch 2,5 Milliarden.

Hierzu setzt der Konzern besonders beim Personal an: Im Vergleich zum Vorjahr sind mit 236.000 Menschen schon rund 5000 weniger bei der Bahn beschäftigt. Die bisherigen Abbaupläne wurden damit um mehr als 2300 Stellen verschärft. Ein Bahnsprecher wollte sich zu den Zahlen nicht äußern. Er betonte aber, der Konzern mache weiter Gewinn und rutsche nicht in die Verlustzone.

Dafür sorgen vor allem Fern- (ICE, IC) und Nahverkehr. Sie liefen ebenso weiter relativ stabil wie die Erlöse aus dem Netz. Nach Angaben aus Koalitionskreisen hatte die Bahn hier gegen einen Entwurf des Koalitionsvertrags interveniert, wonach die Erlöse der subventionierten Schienenwege nicht mehr an die Zentrale abgeführt, sondern im Netz bleiben mussten. Dieses wird im Vertrag jetzt nur noch “geprüft”.

INDIREKTE KRITIK AN ZUKÄUFEN DER BAHN UNTER MEHDORN

Die größten Probleme macht weiter der Schienen-Güterverkehr und die internationale Logistik: Allein bei der Güterbahn in Deutschland sollen nach früheren Informationen aus dem Unternehmen nun rund 6000 Stellen gestrichen werden. Wegen eines Beschäftigungsbündnisses sind zumindest bis Ende 2010 Kündigungen weitgehend ausgeschlossen.

Indirekt wird in den Unterlagen der Expansionskurs von Ex-Vorstandschef Hartmut Mehdorn kritisiert: Die Integration der zahlreichen Unternehmenskäufe vor allem in der Logistik der vergangenen zehn Jahre lasse zu Wünschen übrig. “Wir müssen zu einem Unternehmen zusammenwachsen!”, heißt es. “Eine Reihe von Zukäufen macht Verlust.”

BIS ZU 2000 STELLEN IN DER VERWALTUNG AUF STREICHLISTE

Während daher bislang vor allem in der internationalen Logistik gespart wurde und Arbeitsplätze wegfielen, trifft es künftig neben der heimischen Güterbahn auch die Verwaltung: Hier sollen laut Konzernunterlagen in den nächsten zwei Jahren zwischen 1700 und 2000 Stellen gestrichen werden. Dies wird laut Unterlagen bis 2011 allein 125 Millionen Euro bringen. Die gleiche Summe soll noch einmal über ein Vielzahl von einzelnen Projekten erreicht werden: Es werden demnach weniger Berater engagiert, aber auch bei den internen Bildungsveranstaltungen gespart, wo jährlich rund sechs Millionen Euro gewonnen werden könnten. Ferner ist geplant, dass konzerneigene Fernsehen “Bahn TV” einzustellen. Auch die Kaffeebar soll nicht mehr von eigenen Leuten betrieben werden. Sparpotenzial: Rund 30.000 Euro. Gekürzt wird auch bei Fahrpreisen für Mitarbeiter.

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